Stellungnahme zum Berichtsentwurf Schulvisitation 11.05.2012

 

Visitation ist gut, notwendig und - zumindest von uns – auch gewollt. Dies steht als Grundsatz über allem. Auch wenn nachfolgend vielleicht Kritisches zum Bericht angemerkt wird, ändert dies nichts an eben jenem Grundsatz.

Generell erscheint uns - bei allem Einsatz der Visitatoren – auch eine jetzt 3tägige Visitation als zeitlich zu gering, um inhaltlich tatsächlich in eine Schule eindringen zu können. Schule ist nicht auf Dokumente, Konzepte, Analysen, Auswertungen, Durchschnitte reduzierbar – Schule ist bunt, manches planbar, aber eben nicht alles. Und das ist gut so, denn die Akteure sind immer noch handelnde Menschen.

 

Zum Entwurf des Visitationsberichtes sind Anmerkungen verschiedener Art notwendig. Zum einen einfache Korrekturen rein sachlicher Art, zum anderen eigene Deutungen und Schlussfolgerungen, aber auch ganz entschiedene Zurückweisungen. Zur besseren Übersicht stellen wir den Bezug zur jeweiligen Textstelle voran; dann folgt die entsprechende Seite des Berichtsentwurfes, daran anschließend unsere Anmerkungen.

 

 

Sachliche Richtigstellungen

 

4.1.

Seite 14

 

„ …. kommen nicht aus der Kernstadt Nauen, sondern aus den Ortsteilen Markee, Lietzow, Berge, Börnicke, Hertefeld, Kienberg, Tietzow sowie weiteren umliegenden Orten wie Paulinenaue, Perwenitz, Brieselang, Elstal, Wustermark u.a.“

 

Statt „ … Zusammenarbeit mit der Havelland GmbH…“  muss es heißen: „ …mit der Havelbus GmbH…“

 

Seite 16

 

Die sonderpädagogischen Lehrkräfte arbeiten mit einer Stundenverteilung von 14 und 6 Stunden an der Schule, so dass sich insgesamt eine Stundenzahl von 20 LWS ergibt.

 

Seite 17

Letzter Satz muss geprüft werden („erfüllen“ streichen)

 

Seite 22

 

Statt „…Schülerinnen und Schülern…“ muss es heißen:“…Schülerinnen und Schüler…“

Siehe auch Ausführungen zu 5.1

 

Seite 29 oben

 

Statt „…, dem Verband für Leichtathletik oder…“ muss es heißen: „…dem Verein für Leibesübungen (VfL) Nauen oder…“

 

Seite 30 unten

 

Es muss heißen: „Schwierigkeiten bei der Umsetzung ergeben sich aus Sicht der Schule vor allem durch den Einsatz von Kollegen gleicher Fächer im Kurssystem.“

 

 

 

 

 

Offenkundige Widersprüche, Nachfragen und Interpretationen

 

2.3

QB 2: Lehren und Lernen – Unterricht

 

Hier zeigt sich eine generelle Differenz in der Betrachtung. Es ist aus unserer Sicht schlicht unmöglich und höchst fragwürdig, abschließende Einschätzungen und Werturteile über Sachverhalte abzugeben, die man nicht in ihrer Vollständigkeit kennt. Aus der Kenntnis von 20 Minuten über den Ablauf von 90 Minuten Unterricht zu urteilen ist mehr als gewagt. Die Behauptung, dass man durch Beobachtung  von nicht einmal einem Drittel auf das Ganze schließen könne, wird auch durch deren Wiederholung nicht glaubwürdiger, weil nicht durch Fakten belegt.

Nach unserer Einschätzung lassen sich allenfalls Tendenzen feststellen. Die müssten dann jedoch im Bericht auch als Tendenzen beschrieben werden.

Ein Beispiel:     Seite 9 Punkt 6 Aktivierung und Selbstregulation

In den Bereichen 6.1 Anregungen zu aktiver Teilnahme, 6.2 selbstorganisierte Schülerarbeit und 6.3 selbstgesteuerte Schülerarbeit wird eine 2,5 vergeben. Was ist aber, wenn solche selbstorganisierten Schülerarbeiten erst für den Teil der 90 Minuten geplant waren, die eben nicht beobachtet wurden?

Mit einer solch ungesicherten Datenbasis kann man keine postulierenden Wertungen abgeben, weder positiv noch negativ, dies ist einfach unseriös.

 

QB 3: Schulkultur

 

Unter Punkt 13.3 wird die aktive Mitwirkung der Eltern mit der Wertungskategorie 2 für die Schule (!) bewertet. Aber gerade für diesen Punkt, ob, wie und mit welcher Intensität sich Eltern aktiv (!) einbringen, ist doch wohl erst einmal der Teil verantwortlich, der aktiv werden sollte. Es wäre zu differenzieren, was überhaupt unter aktiver Mitwirkung zu verstehen ist.

Die Bewertung ist u. E. sowieso fragwürdig, wenn es u.a. auf Seite 29 heißt: „ Alle Personen -gruppen haben die Möglichkeit, sowohl planerisch und organisatorisch als auch inhaltlich mitzuwirken.“

Den von (einigen?) Eltern vorgeschlagenen E-Mail- Service zur Information halten wir nicht nur wegen des enormen Aufwandes für überflüssig; wir setzen hier lieber ganz konservativ auf mehr persönlichen Kontakt; noch mehr Entpersonalisierung sollte man nicht auch noch freiwillig in die Schule tragen. Außerdem erfolgen wöchentliche Informationen über die Schwerpunkthefter der Schüler.

 

QB 4   Führung/ Schulmanagement

 

Ähnlich sieht es beim Punkt 15.3 Meinungsbild und Beteiligungsrechte aus, für den dem Schulleiter eine Bewertung von 2,5 erteilt wurde. Es ist unstrittig, dass z.B. alle schulischen Mitwirkungs -gremien über Beteiligungsmöglichkeiten und - rechte informiert sind; wie und in welchem Umfang sie dann auch genutzt und wahrgenommen werden, liegt nicht bei der Schulleitung. Beispielsweise nahmen nur 2 Elternvertreter am Projekt Schulhofumgestaltung teil, obwohl eine solche Umgestaltung von allen Seiten gewünscht worden war. Eines gilt darüber hinaus: Beteiligungsrechte sind nicht gleich Entscheidungsrechte – auch dies muss klar werden.

Die Bewertung ist wiederum problematisch; heißt es doch auf Seite 30:“Herr Dr. Beyer leitet die Schule demokratisch.“ Demokratisch bedeutet aber nicht, dass jeder überall mitentscheiden darf und kann.

 

  

Weiter heißt es auf S. 30: „Die Mitwirkungsrechte der Gremien durch gewählte Vertreterinnen und Vertreter der Eltern für die Konferenz der Lehrkräfte und die Fachkonferenzen sowie der Lehrkräfte für die Elternkonferenz werden nicht vollständig beachtet.“ Hier muss ganz klar gefragt werden, von wem nicht beachtet? Wenn die Möglichkeit zur Teilnahme beispielsweise an Konferenzen nicht genutzt wird, ist dies wohl kaum der Schule oder dem Schulleiter anzulasten; da z.B. mit Beginn eines jeden Schuljahres alle wesentliche Termine, u. a. alle Konferenzen, bekannt gegeben und auch noch auf der Homepage der Schule veröffentlicht werden.

 

 

 

5.1              Qualitätsbereich 1: Ergebnisse der Schule

 

Seite 20

 

Die Übersicht Bildungsgangempfehlungen hat für Schule keinerlei Aussagewert und wurde bisher auch in keiner Form jemals ausgewertet, von wem auch immer. Es könnten höchstens die „Trefferquoten“ für die einzelnen Grundschulen ermittelt werden, inwieweit also ihre Empfehlungen beim einzelnen Schüler zutrafen. Dafür müsste jedoch ein erheblicher statistischer Aufwand betrieben werden, selbst dann muss ernsthaft nach dem Aussagewert einer solchen Übersicht gefragt werden - letztlich eine völlig entbehrliche Statistik.

 

Seite 22

 

Die Übersichten zu den Wiederholungen sind inhaltlich völlig falsch, da die statistischen Angaben in ZENSOS sachlich nicht korrekt sind. Demzufolge treffen auch die Ausführungen zu den Wiederholungen nicht zu und müssten überarbeitet werden. Nur 2 Beispiele: Im laufenden Schuljahr 2011/2012 haben wir sehr wohl in den Jahrgängen 7-9 Wiederholer auf Grund von Nichtversetzungen(1, 5 und 4). Im Jahrgang 10 gibt es 3 freiwillige Wiederholungen. Eine Wiederholung der Jahrgangsstufe 10 auf Grund einer Nichtversetzung kann es an der Oberschule überhaupt nicht geben.

(die korrekten absoluten Zahlen werden als Anhang mit gesandt)

 

Seite 23

 

Dort heißt es: „Gleichzeitig wünschen sie sich mehr Förderung für leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler:“ Das wünschen wir uns auch. Es sollte an diesem Punkt aber auch deutlich werden, durch was und durch wen die Schule an einer solchen Förderung gehindert wird. Es ist nicht gerade fair, von Schule etwas zu verlangen, was sie nicht im Stande ist zu leisten, und für diese Tatsache tragen andere die Verantwortung.

Der nachfolgende Satz: „Problematisch sehen sie die Übermittlung von Informationen an die Eltern.“ steht im Widerspruch zur Aussage auf Seite 27: „Sie (die Eltern) zeigten sich auch zufrieden mit den Informationspraktiken und der Beratungskompetenz der Lehrkräfte bezüglich der Versetzungsregelungen und Bildungsgangempfehlungen.“ Ja, was denn nun? Sollten sich die Aussagen nur auf bestimmte Bereiche beziehen, müssten die Bereiche auch genannt werden.

 

 

 

 

5.2.2 Qualitative Darstellung der Ergebnisse der Unterrichtsbeobachtungen

 

Seite 26

 

 „Einige Lehrkräfte erschienen gereizt, ungeduldig sowie emotionsarm und verstanden es nicht ausreichend, positive Erwartungen an die Schülerinnen und Schüler zu artikulieren.“

Diesen Satz betrachten wir als sachlich nicht zutreffend und in seiner absoluten Formulierung als verletzend und ungerecht. Wie viele sind „einige“?  In dieser Form ist die Aussage in ihrer Außenwirkung für die Schule nicht hinnehmbar. Hier sind ganz einfach wesentlich vorsichtigere Formulierungen angebracht.

Der oben angeführte Satz wird darüber hinaus durch die Werte für die Punkte 8.1 bis 8.4 (pädagogisches Verhalten) in keiner Weise gedeckt, ganz im Gegenteil(17-21x Wertkategorien 3 und 4). Ebenso steht dieser Satz im Widerspruch zur Aussage auf Seite 22, wenn dort festgestellt wird: „ Sie (die Eltern und Schülerinnen und Schüler) lobten besonders das gute Lehrkräfte-Schüler-Verhältnis.“

 

Dies trifft auch für folgenden Satz zu: “Nicht immer wurde der Unterricht pünktlich begonnen oder beendet.“ Angesichts von insgesamt 18x Wertungen 3 und 4 für den Bereich 5.1 Effektive Nutzung der Unterrichtszeit halten wir eine solche lapidare und verallgemeinernde Aussage für nicht zutreffend.

 

Die nachfolgende Aussage „Es kam wiederholt zu Unterbrechungen der Lerndynamik, weil Arbeitsmaterialien nicht bereit lagen“ ist ebenso unzulässig verallgemeinernd. Wessen Arbeitsmaterialien -die der Schüler oder der Lehrer- lagen wann nicht vor? So etwas ist nur mit der Angabe der situativen Bedingungen nachvollziehbar, um Fehldeutungen durch den Leser zu vermeiden.

Am Ende der Seite 26 heißt es: „Eltern sowie Schülerinnen und Schüler äußerten sich jedoch unzufrieden mit der uneinheitlichen Vorgehensweise der Lehrkräfte.“ Wobei gehen die Lehrkräfte „uneinheitlich“ vor? Dies ist für uns schon von großer Bedeutung, da wir gerade darauf sehr großen Wert legen, dass wir eben wahrnehmbar für die Eltern, Schülerinnen und Schüler einheitlich vorgehen, Maßstäbe anlegen, an denen sich alle Kollegen orientieren.

 

Wir gehen davon aus, dass unsere sachlichen Klarstellungen Berücksichtigung finden und hoffen natürlich, dass auch unsere anderen Sichtweisen Eingang in den Bericht finden werden.

Auch wenn Kritisches zu diesem Bericht angemerkt werden musste, er Richtigstellungen aus unserer Sicht bedurfte, ändert dies nichts an unserer oben beschriebenen grundsätzlich positiven Einstellung gegenüber der Visitation. Diese ist einfach notwendig, um eine unverstellte Sicht auf Schule zu erhalten.

Es ist wünschenswert, wenn Visitation inhaltlich noch praktikabler gestaltet werden könnte, damit z.B. einzelne Merkmale bzw. Indikatoren noch genauer auf Schule bezogen werden können und es auch nicht zu Überschneidungen kommt. Es kommt darauf an, dass nachvollziehbarer wird, was mit bestimmten Indikatoren gemeint ist und woran man sie misst.

Außerdem wären Hinweise in den Berichten auf Schulen, die das jeweils gerade angesprochene Profilmerkmal als besondere Stärke haben, sehr hilfreich. Dies hatten wir allerdings auch schon zur Visitation 2007 angemerkt.

 

Abschließend möchten wir uns beim Visitationsteam für den verständnisvollen und respektvollen Umgang bedanken.

Für das Kollegium der Dr. Georg Graf von Arco – Oberschule mit Grundschulteil Nauen

 

 

 

Nauen, 30.05.2012                                                           Dr. Beyer

                                                                                         Rektor