Zur Geschichte der Oberschule Nauen

Der Schulkomplex Kreuztaler Straße wurde im Jahre 1974 als damals typischer Plattenbau für zunächst zwei voneinander unabhängige Polytechnische Oberschulen erbaut. Mit der Schulreform wurden zum Schuljahr 1991/92 daraus die Gesamtschule und zwei Grundschulen gebildet. Ende 1993 zog die „Grundschule am Lindenplatz“ in ihr jetziges Domizil; die im Gebäude der Gesamtschule untergebrachte „Brüder Grimm“- Grundschule wurde im Sommer 2001 geschlossen.

Mit ihren etwa 500 Schülerinnen und Schülern in den Jahrgängen 7- 10 gehört die Gesamtschule Nauen zu den größten Bildungseinrichtungen im Landkreis Havelland. Die Mehrzahl der Schüler kommt aus Nauen. Der Einzugsbereich der Schule ist sehr groß, mehr als 30% der Schüler kommen aus den umliegenden Orten Markee, Lietzow, Berge, Börnicke, Hertefeld, Kienberg, Tietzow, Perwenitz, Brieselang und Wustermark. Hier zeigt sich die wichtige Umlandfunktion der Gesamtschule Nauen.

Die stets zunehmende Schülerzahl und der damals äußerst schlechte bauliche Zustand des Schulgebäudes waren in den ersten Jahren die wichtigsten Probleme :

Dennoch begann am 01.09.1991 für 525 Schülerinnen und Schüler in 21 Klassen und 40 Lehrkräfte der Unterricht in der neuen Schulform. Erster Schulleiter war bis 1993 Herr Wolfgang Ebeling, Stellvertreter waren Frau Brigitte Renner und Herr Wilfried Becker. Wenn man sich die heutige Situation betrachtet: Etwa 500 Schüler, 6zügig in den Jahrgängen 9 und 10, vierzügig in den Jahrgängen 7/8 und 37 Lehrkräfte - so wird deutlich, dass nach wie vor zu wenig Lehrer zu viele Schüler unterrichten. Die Schulform Gesamtschule mit ihrem leistungsdifferenzierten Unterricht benötigt mehr Lehrkräfte, wenn man den damit verbundenen Anspruch auch verwirklichen will.

Das sogenannte Brandenburger Modell – also nur 80% Beschäftigungsumfang für die Lehrkräfte - galt an der Gesamtschule Nauen eigentlich noch nie. Es mussten in jedem Schuljahr Höherstufungen beantragt werden, um überhaupt Unterricht halten zu können.

Von Anfang an musste die Gesamtschule gegen Vorurteile gegenüber dieser Schulform kämpfen, sich gegen politisch motivierte Anfeindungen behaupten.

Die Lehrerinnen und Lehrer der Gesamtschule Nauen haben seit der Errichtung dieser Schule stets versucht, der Schule ein Profil zu geben. Sie bemühten sich trotz der Schulgröße um einen schülerorientierten Unterricht, der alle Schüler anspricht, was angesichts der heterogenen Zusammensetzung der Schülerschaft- also nicht ausgewählt, wie an anderen Schulformen- nicht immer leicht war und ist.

Zum Ende des Schuljahres 1992/93 gab es die ersten Projekttage an der Gesamtschule, und zwar alle Jahrgänge umfassend. So hatten die Schüler erstmals die Möglichkeit, diese andere Art des Unterrichtes auszuprobieren. Die Projekttage wurden mit dem ersten großen Schulfest abgeschlossen- ein Schulfest, wie es am 12.07.1999 anläßlich der Namensgebung wieder gefeiert wurde.

 

Im Schuljahr 1993/94 existierte an der Gesamtschule eine Arbeitsgruppe, die die Errichtung einer gymnasialen Oberstufe intensiv vorbereitete und kurz vor dem Abschluss stand. Mit dem Hinweis auf räumliche Probleme und die Oberstufe des OSZ wurde die Errichtung nicht genehmigt. Ende 1997 wurde jedoch wieder der Versuch unternommen, eine gymnasiale Oberstufe aufzubauen, da die Raumfrage sich gar nicht mehr stellte. Doch auch dieser Vorstoß wurde wieder zurückgewiesen. Es bleibt die Frage, warum ausgerechnet die Gesamtschule Nauen als größte Schule im Bereich der Sekundarstufe I des gesamten Landkreises keine gymnasiale Oberstufe haben soll oder darf.

Zwischen diesen beiden Initiativen sollte die Gesamtschule Nauen eine Ganztagsschule werden. Auch diesmal betrieb das Kollegium wieder eine ganz intensive Vorbereitung bis hin zur notwendigen Befragung der Eltern, die sich mit großer Mehrheit für ein solches Konzept aussprachen. Leider wurde auch dieser Versuch blockiert, diesmal durch zu diesem Zeitpunkt nicht zu realisierende Raumvorgaben des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport im Rahmen der damals noch in der Vorbereitung stehenden Gesamtrekonstruktion.

Diese umfassende Rekonstruktion sollte die Gesamtschule Nauen einige Jahre beschäftigen. Das Gebäude und die Ausstattung waren heruntergewirtschaftet und zum Teil hoffnungslos veraltet. Hinzu kam die drangvolle Enge der ersten Jahre mit 2 Grundschulen und dem Zentralhort im Haus. Nach 2 Jahren des Hinhaltens entschloss sich die Stadt Nauen als Schulträger zu einer Investition von mehreren Millionen Mark, das heißt: es wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt! 1992 begann die Sanierung des Daches, danach wurden alle Fenster erneuert. 1994 stellte die Stadt einen Fördermittel- Antrag an das MBJS, um die Rekonstruktion in großem Stil weiterführen zu können. Die Prüfung durch das Ministerium dauerte unverständlicherweise fast zwei Jahre, aber Nauen ließ sich nicht beirren. Zunächst erfolgte die Fertigstellung des Anbaues für das Fach Arbeitslehre, dann wurde die Sporthalle völlig erneuert und bis zum letzten Ball neu ausgestattet. Die Rekonstruktion des Hauptgebäudes ab 1996 stellte die Schule vor große Probleme, musste doch der Unterrichtsbetrieb bei laufenden Bauarbeiten abgesichert werden. Durch viel Verständnis auf beiden Seiten und eine gute Abstimmung zwischen Bauleitung und Schulleitung konnten jedoch die Probleme minimiert werden, und trotz Termindrucks durch das Ministerium wurden alle Arbeiten ausgeführt. Und dies bedeutete: Vom alten Gebäude blieb quasi nur noch das Skelett übrig- alles andere wurde erneuert- von den Türen über Leitungen für Strom, Wasser und Gas bis zu den Tischen und Stühlen in den Unterrichtsräumen. Die Fachunterrichtsräume für Physik, Chemie, Biologie, Elektro-Technik, Musik, Kunst, Arbeitslehre- vor allem die Lehrküche- sind jetzt auf einem Ausstattungsstandard, der modernen Anforderungen entspricht. Hinzu kamen ein Konferenzraum, ein Video-Raum, neue Lehrerzimmer und eine Cafeteria, die der Pausenversorgung und der Schulspeisung dient; man also endlich in einer angenehmen Umgebung essen kann. Mit der feierlichen Übergabe der sanierten Schule an den Schulträger am 28.11.1998 wurde diese umfassende Rekonstruktion abgeschlossen. Damit ist die Gesamtschule Nauen eine der modernsten Schulen des Landes Brandenburg :

     

Es ist zu hoffen, dass diese immensen Investitionen auch wirklich im Interesse der Schülerinnen und Schüler voll genutzt werden können; will man Holz-und Metallbearbeitung unterrichten, die Lehrküche nutzen, braucht man dafür Stunden, Lehrer und Materialien !

 

Trotz der Schwerpunktsetzung der vergangenen Jahre auf die Rekonstruktion ging die Entwicklung der Gesamtschule natürlich weiter und spezifische Merkmale bildeten sich heraus.

Beispielgebend für eine effiziente Schulsozialarbeit ist deren Ausformung an der Gesamtschule Nauen. Begonnen hatte alles mit einem Projekt „Freizeitgestaltung an der Schule“ im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Die spätere Sozialarbeiterin fand sofort Kontakt zu den Schülern, ging auf ihre Interessen und Probleme ein, regte gemeinsame Aktionen, wie den Aufbau des Schülerclubs an, und war unversehens wichtiger Bestandteil des schulischens Lebens. 1997 gelang es nach langwierigen Verhandlungen, eine Stelle für Schulsozialarbeit an der Schule zu installieren, deren Bedeutung angesichts der schwierigen Verhältnisse in so mancher Familie gar nicht hoch genug geschätzt werden kann. Die Schüler können verschiedene Freizeitangebote wahrnehmen, aber vor allem: sie haben eine Anlaufstelle bei Problemen mit der Schule. Insofern ist die Arbeit unserer Schulsozialarbeiterin - Frau Hildebrant - aus dem Schulalltag überhaupt nicht mehr wegzudenken.

Seit 1992 werden regelmäßig einwöchige Fahrten nach London organisiert, währenddessen die Schüler in Gastfamilien untergebracht und somit fast ein wenig gezwungen sind, ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen.

Zwischen 1994 und 1998 gab es eine Partnerschaft mit einer Schule in Montpellier/Frankreich, die einen intensiven Schüleraustausch förderte. Leider wollte die französische Schule den Austausch nicht mehr fortsetzen, aber wir sind um eine neue Partnerschule in Frankreich bemüht.

Doch nicht nur Partner im Ausland sind wichtig, auch quasi vor der Haustür gibt es sie, und solche Beziehungen gilt es im Interesse der Bildung zu nutzen. So gibt es seit Ende 1998 eine enge Kooperation zwischen der Havelland-Klinik und der Gesamtschule. Dies reichte von thematischen Unterrichtsprojekten in der Klinik bis zu Auftritten der Theater- und Musikgruppen der Gesamtschule. Die Theater -Gruppe existierte seit 1997 und war aus dem schulischen Leben nicht mehr wegzudenken, nicht zuletzt auch wegen ihrer zahlreichen Auftritte bei Schulfesten oder auch beim internationalen Theatertreffen 1998 in Potsdam.

 

Ein ebenso wichtiger Partner für die Gesamtschule Nauen ist die Regionale Arbeitsgemeinschaft für Ausländerfragen (RRA). Traditionell stellen Vertreter aus afrikanischen Ländern ihr jeweiliges Heimatland den Schülern des 7.Jahrganges vor- mit landeskundlichen Informationen und dem Erleben von Sitten und Gebräuchen.

Im Zusammenhang mit der Namensgebung sind Kontakte zur Kurzwellenstation Nauen - im Volksmund nach wie vor „Funkamt“ genannt- entstanden. Wir erfuhren große Unterstützung bei unserem Vorhaben, uns den Namen Graf von Arco zu geben – des Gründers der Funkstation Nauen. Wir hoffen, dass diese Zusammenarbeit in den nächsten Jahren zum Nutzen für die Schülerinnen und Schüler ausgebaut werden kann und wir – indem wir den Namen Graf von Arco- Oberschule tragen- Nauen und seine Funkstation bekannter machen.